Schellfischposten Hamburg - kleinste Kultkneipe und großes Herz der Hafenkante
- Jörn Jung

- vor 4 Stunden
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Willkommen an der Altonaer Hafenkante – wo Geschichte, Elbe und Kneipenkultur zusammenkommen
Wer an der Hamburger Hafenkante entlangspaziert, merkt schnell: Hier riecht es nicht nur nach Elbe und Abenteuer, sondern auch nach Geschichten. Manche sind laut, manche leise – und manche werden seit Jahrzehnten in einer kleinen Kneipe erzählt, die längst Kultstatus erreicht hat: dem Schellfischposten.
Bevor wir aber in die Welt der Seebären, Souvenirs und Fernsehkameras eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die Umgebung. Denn der Schellfischposten liegt an einem der atmosphärischsten Orte Altonas: dem Holzhafen, eingerahmt von der historischen Köhlbrandtreppe und der Großen Elbstraße.
Die Köhlbrandtreppe – ein steinernes Relikt der Hafenarbeiterzeit

Die Köhlbrandtreppe, 1887 erbaut, ist ein echtes Stück Altonaer Stadtgeschichte. Sie verbindet die Breite Straße mit der Großen Elbstraße und war einst der tägliche Weg der Hafenarbeiter, die von ihren Wohnungen direkt hinunter zu den Kaianlagen mussten.
Steil, massiv, mit dekorativen Geländern – ein funktionales Kunstwerk, das heute als kulturhistorisches Denkmal gilt.
Mein Tipp:
Wer früh morgens oder abends hier vorbeikommt, erlebt die Treppe fast menschenleer. Perfekt für Fotos, für einen Moment Ruhe – und für einen Blick über die Elbe, der jedes Mal ein bisschen anders aussieht.
Von hier aus sind es nur ein paar Schritte zu zwei legendären Kneipen: der Haifischbar und dem Schellfischposten. Und genau dort beginnt die eigentliche Geschichte.
Der Schellfischposten Hamburg – älteste Seemannskneipe mit Herz und Humor
Der Schellfischposten Hamburg ist nicht einfach eine Kneipe. Er ist ein lebendiges Archiv der Hafenwelt – und das seit über 100 Jahren.
Sein Name geht auf die historische Schellfischbahn zurück, deren Endstation am Fischmarkt lag. Der heutige Gastraum war früher der Wartesaal für Fahrgäste. Wo heute Bier gezapft wird, wartete man einst auf die Bahn. Eine charmante Vorstellung, oder?
1962 übernahm Georg „Schorsch“ Pohl die Kneipe und brachte eine Tradition mit, die bis heute Kultstatus hat:
Wer von großer Fahrt ein Souvenir mitbrachte, durfte umsonst trinken.
Die Wände hängen noch immer voll mit diesen Erinnerungsstücken – von exotisch bis kurios. Jede Kleinigkeit erzählt eine Geschichte, und zusammen ergeben sie ein maritimes Wohnzimmer, das man so nur in Hamburg findet.
Inas Nacht – wie eine winzige Kneipe Fernsehgeschichte schrieb


Spätestens seit 2007 ist der Schellfischposten deutschlandweit bekannt. Denn hier wird „Inas Nacht“ aufgezeichnet – eine der charmantesten, frechsten und musikalischsten Talksendungen im deutschen Fernsehen.
Was die Sendung so besonders macht?
• ein winziger Raum,
• ein Shanty-Chor, der durchs Fenster singt,
• Gäste, die so dicht beieinandersitzen wie sonst nur in der U‑Bahn,
• ehrliche Gespräche,
• viel Musik,
• und ein bisschen Alkohol, der die Zunge lockert.
Dass eine Kneipe, die eigentlich viel zu klein für Fernsehen ist, zur Kultbühne wurde, passt perfekt zu Hamburg: Hier entstehen die besten Geschichten oft dort, wo man sie am wenigsten erwartet.
Der Schellfischposten heute – ein Ort für Hafenromantik und ehrliche Begegnungen
Wer den Schellfischposten betritt, merkt sofort: Hier ist nichts künstlich, nichts aufpoliert, nichts auf „Touri“ getrimmt.
Es ist ein Ort, an dem Hafenarbeiter, Künstler, Nachbarn, Radfahrer, Fernsehfans und neugierige Besucher zusammenkommen. Ein Ort, an dem man ins Gespräch kommt, ohne es zu planen. Ein Ort, der nach Hamburg schmeckt.
Und genau deshalb empfehle ich ihn so gern – auch auf meinen Touren.
Der Schellfischposten auf meinen Touren – zwei Wege, ein Erlebnis

Weekend Starter – Perfekter Auftakt ins Wochenende
Auf meiner Weekend Starter Tour führt der Weg direkt an der Hafenkante entlang – und damit auch am Schellfischposten vorbei.
Hier erzähle ich gern die kleinen Geschichten, die nicht im Reiseführer stehen:
Warum die Kneipe so klein ist.
Welche Souvenirs die verrücktesten waren.
Wie es ist, wenn plötzlich ein Shanty-Chor durchs Fenster singt.
Für viele Gäste ist der Moment am Schellfischposten der Augenblick, in dem sie merken:
„Jetzt bin ich wirklich in Hamburg angekommen.“
Ein Abstecher in die Große Elbstraße – Fisch, Flair und Hafenleben

Nach einem Besuch am Schellfischposten lohnt sich ein Spaziergang in die Große Elbstraße.
Hier findet ihr:
• frischen Fisch,
• kleine Manufakturen,
• Cafés und Restaurants,
• und das echte Hafenflair, das man nicht künstlich erzeugen kann.
Wer früh unterwegs ist, erlebt die Straße in ihrer schönsten Form: geschäftig, duftend, lebendig.
Fazit – Der Schellfischposten ist mehr als eine Kneipe
Er ist ein Stück Hamburg.
Ein Ort, an dem Geschichten gesammelt werden wie Muscheln am Strand.
Ein Treffpunkt für Menschen, die das Echte suchen.
Ein Symbol dafür, dass Größe nichts mit Quadratmetern zu tun hat.
Und für mich – und viele meiner Gäste – ist er einer der Orte, die man nicht vergisst.










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