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Schiffswrack Uwe in Hamburg‑Blankenese – Geschichte, Bergungsdrama und ein einzigartiges Elbrelikt

  • Autorenbild: J.Jung
    J.Jung
  • vor 6 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 19 Stunden

Das Schiffswrack Uwe in der Elbe vor Hamburg Blankenese

Ein maritimes Wahrzeichen am Falkensteiner Ufer


Wer am Strandweg in Blankenese entlangspaziert, entdeckt insbesondere bei Ebbe ein ungewöhnliches Bild: Das rostige Heck des Schiffswrack „Uwe“, das seit 1976 vor dem Falkensteiner Ufer liegt. Heute ist es ein beliebtes Fotomotiv und dient gleichzeitig als natürlicher Wellenbrecher.


Die „Uwe“ – ein Schiff mit langer Geschichte


Gebaut wurde das Schiff bereits 1914 bei der Gebrüder‑Wiemann‑Werft in Brandenburg an der Havel. Ursprünglich trug es den Namen „Fürstenberg“, wechselte mehrfach den Besitzer und wurde 1973 in „Uwe“ umbenannt.


Der Unfall vom 19. Dezember 1975


Schiffswrack Uwe in der Elbe. Im Hintergrund ein Containerschiff

An diesem Wintertag nahm die Geschichte des Wracks ihren tragischen Lauf. Die „Uwe“ hatte bei der Norddeutschen Affinerie rund 600 Tonnen Kupferschlacke geladen, die zur Uferbefestigung dienen sollte.

Vor Wittenbergen wurde sie vom Frachter „Wiedau“ überholt, als der entgegenkommende polnische Frachter „Miecsylaw Kalinowski“ außer Kontrolle geriet. Die „Kalinowski“ rammte die „Wiedau“, die wiederum mit voller Wucht in die „Uwe“ krachte. Beide Schiffe sanken, zwei Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben.


Die Bergung – „die beschissenste in der Firmengeschichte“


Die Bergungsfirma Harmstorf & Söhne, damals in der Nähe ansässig, wurde sofort alarmiert. Firmenchef Harald Harmstorf sagte später über den Einsatz:

„Das war die beschissenste Bergung in der Firmengeschichte.“

Doch beginnen konnte die Arbeit erst spät: Die „Wiedau“ lag über der „Uwe“ und musste zunächst von der Reederei Bugsier ( heute Fairplay Towage Group ) geborgen werden.

Als Harmstorf und seine Taucher endlich loslegen konnten, zeigte sich das ganze Ausmaß der Herausforderung:

• extrem starke Strömung

• Taucher konnten nur 30 Minuten

pro Stauwasser arbeiten

• die „Uwe“ lag quer im Fluss

• Ausbaggern war unmöglich, da sich

sofort neuer Schlick absetzte

• große Greifer versagten ebenfalls


Schließlich wurden mächtige Stahlseile unter dem Schiff befestigt. Doch beim Anheben gab es einen gewaltigen Ruck – die „Uwe“ riss in drei Teile.


Drei Schiffsteile, ein langer Rechtsstreit


Die drei Wrackteile wurden nach Falkenstein geschleppt. Bug und Mittelschiff wurden an Land gezogen und verwertet.

Das Heck jedoch durfte nicht entfernt werden, da die Staatsanwaltschaft es als Beweismittel benötigte. Der Unfall führte zu einem jahrelangen Rechtsstreit über Schuld und Versicherungssummen.

Erst 15 Jahre später stand fest:

• Hauptschuld: Miecsylaw Kalinowski

• Mitschuld: Wiedau

• Uwe: völlig schuldlos


Die Bergung hatte doppelt so viel gekostet wie vereinbart, und niemand wollte für die zusätzlichen Kosten aufkommen.


Warum das Wrack bis heute dort liegt


Zwei Kajakfahrer am Schiffswrack Uwe

Die Stadt Hamburg forderte später die Entfernung des Hecks – doch Harmstorf & Söhne hatten bereits genug Verluste erlitten und verlangten eine Zusatzvergütung.

Da weder Stadt noch Versicherungen zahlen wollten, kam es zu einer ungewöhnlichen Wendung:

Anwohner setzten sich dafür ein, das Wrack zu behalten – als Erinnerung an das Unglück.

So blieb das Heck an Ort und Stelle und wurde zu einem festen Bestandteil der Elblandschaft. Viele Hamburger schätzen die besondere Atmosphäre, und alle paar Jahre malt ein Blankeneser den Schriftzug „Hamburg und Uwe“ auf das Wrack neu.


Ein Ort für Spaziergänge, Fotos und Geschichten


Bei Ebbe mit dem Fahrrad am Schiffswrack Uwe

Heute ist die „Uwe“ ein Stück lebendige Stadtgeschichte. Besonders bei Sonnenuntergang oder leichtem Nebel wirkt das Wrack fast mystisch. Für Spaziergänger, Fotografen und Geschichtsinteressierte ist es ein lohnendes Ziel – und für mich als Fahrradguide natürlich ein perfekter Stopp auf der Elbhöhen E- Bike Tour entlang der Elbe.




Quellen:

• Wikipedia – Uwe (Schiff, 1914)

kajakralf.de – Elisabeth Harmstorf

• Hamburg Tourismus – Die Schiffswracks von

Blankenese

• t‑online – Schiffswracks in Hamburg‑Blankenese




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