Grüner Bunker St. Pauli: Pflanzenwunder, Tagesschau‑Geschichte und Aussicht
- J.Jung

- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Ein Grüner Bunker auf St. Pauli – Geschichte, Wandel und ein außergewöhnlicher Aufstieg über den Bergpfad
Der Grüne Bunker St. Pauli gehört zu den Orten, die auf meinen Touren immer wieder für ungläubiges Staunen sorgen. Viele Gäste kennen ihn als massiven Betonkoloss aus Nachkriegszeiten – aber kaum jemand ahnt, wie viel Geschichte, Medienkultur, Stadtentwicklung und Natur in diesem Gebäude zusammenfließen. Besonders auf meiner Wilhelmsburg‑Tour, bei der der Energiebunker und der Feldstraßenbunker thematisch miteinander verknüpft werden, zeigt sich eindrucksvoll, wie unterschiedlich Hamburg seine Bunker transformiert: Der eine liefert Energie für die Zukunft, der andere wird zu einem vertikalen Stadtgarten.

Vom Flakturm zum Medienstandort
Der Hochbunker wurde 1942 als Flakturm IV errichtet – ein Bollwerk aus Beton, das Schutz bieten und gleichzeitig Teil der Luftabwehr sein sollte. Nach dem Krieg stand Hamburg vor der Frage, wie man mit diesen gigantischen Bauwerken umgehen sollte.
Der NDR (damals NWDR) fand eine überraschende Antwort: Der Bunker wurde in den 1950er‑Jahren zu einem wichtigen Produktionsort für Hörfunk und Fernsehen. Teile der Tagesschau wurden hier produziert, ebenso Hörfunkbeiträge und technische Sendeabläufe. Aus einem Kriegsbauwerk wurde ein Ort, an dem demokratische Medien entstanden – ein Wandel, der vielen Besucherinnen und Besuchern erst bewusst wird, wenn sie oben auf der Plattform stehen und sich vorstellen, wie hier einst die Nachrichten für die junge Bundesrepublik entstanden.
Ein vertikaler Garten: 22.000 Pflanzen erobern den Beton
Heute ist der Bunker ein europaweit beachtetes Beispiel für urbane Begrünung. Die Baumschule von Ehren beschreibt die Bepflanzung als „vertikale Schwammstadt“ – und genau das trifft es.
Auf mehreren Ebenen wachsen:
• robuste Sträucher und Gehölze
• heimische Baumarten
• Stauden, die Wind, Sonne und
Frost trotzen
• Pflanzen, die Regenwasser speichern und langsam wieder abgeben
Über 22.000 Pflanzen verwandeln den einst grauen Koloss in ein lebendiges Ökosystem. Die Begrünung verbessert das Mikroklima, bindet Feinstaub, kühlt die Umgebung und schafft Lebensraum für Vögel und Insekten – mitten im dicht bebauten St. Pauli.
Dachgarten, Hotel, Kultur – ein neuer öffentlicher Raum
Mit der Aufstockung um fünf zusätzliche Etagen entstand ein spektakulärer Dachgarten, der heute zu den schönsten Aussichtspunkten Hamburgs zählt. Hier oben öffnet sich ein 360‑Grad‑Blick über St. Pauli, Hafen, Michel und Fernsehturm.
Im Inneren befinden sich:
• ein Hotel
• Gastronomie
• Veranstaltungsräume
• Kulturflächen
Der Bunker ist damit nicht nur ein grünes Wahrzeichen, sondern ein lebendiger Ort für Begegnung, Kultur und Stadtleben.

Der Weg nach oben:
Der Bergpfad
Der Zugang zum Dachgarten erfolgt über den sogenannten Bergpfad – einen spiralförmig ansteigenden Weg, der sich außen um den Bunker windet.
Der Bergpfad ist:
• öffentlich zugänglich
• barrierearm (aber nicht vollständig
barrierefrei)
• ein Erlebnis für sich, da er immer wieder neue Blickwinkel auf die Pflanzenwelt und die Stadt eröffnet
Viele Gäste sagen mir, dass der Weg nach oben fast genauso beeindruckend ist wie der Ausblick selbst.
Öffnungszeiten & Barrierefreiheit
• Öffnungszeiten Dachgarten:
täglich 9–21 Uhr
• Zugang: ausschließlich über den
Bergpfad
• Fahrstuhl: nur für Rollstuhlfahrer
und Menschen mit
Gehbehinderung
• Hinweis: Bei Veranstaltungen können einzelne Bereiche zeitweise gesperrt sein
Gerade an Wochenenden kann es zu Andrang kommen – ein früher oder später Besuch lohnt sich.
Exkurs: Der Energiebunker in Wilhelmsburg
Auf meinen Touren verknüpfe ich den Feldstraßenbunker gern mit dem Energiebunker in Wilhelmsburg. Dieser wurde 2013 zu einem regenerativen Kraftwerk umgebaut und versorgt heute tausende Haushalte mit Wärme und Strom.
Während der St.-Pauli‑Bunker für Stadtgrün, Kultur und urbane Transformation steht, zeigt der Energiebunker, wie historische Bauten Teil der Energiewende werden können. Zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen faszinierende Wege im Umgang mit Hamburgs Bunkerlandschaft.




























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