Jenischpark Hamburg: Geschichte, Kolonialhandel & Natur an der Elbe
- J.Jung

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Jenischpark Hamburg – Natur, Geschichte und Kultur an der Elbe
Der Jenischpark gehört zu den Orten in Hamburg, an denen man sofort spürt, wie eng Natur, Geschichte und hanseatische Lebensart miteinander verwoben sind. Wer hier über die weiten Wiesen streift, unter alten Baumkronen entlanggeht oder den Blick zur Elbe schweifen lässt, erlebt nicht nur einen der schönsten Landschaftsparks der Stadt – sondern bewegt sich durch mehrere Jahrhunderte Hamburger Geschichte.

Die Anfänge: Caspar Voght und der globale Handel
Die Wurzeln des Parks reichen zurück ins Jahr 1785, als der Hamburger Kaufmann Caspar Voght begann, in Klein Flottbek ein weitläufiges Landgut zu gestalten. Voght war ein außergewöhnlich erfolgreicher Händler seiner Zeit. Er selbst betonte stolz, er sei der erste Hamburger Kaufmann gewesen, der Mokka aus dem Orient, Tabak aus Baltimore, Kaffee aus Surinam oder Gummi aus Afrika nach Hamburg brachte.
Dieser weltweite Handel machte ihn wohlhabend – und genau dieses Vermögen ermöglichte den Aufbau seines riesigen Guts. Doch der Wohlstand hatte eine Schattenseite: Viele der begehrten Kolonialwaren wurden auf Plantagen produziert, auf denen versklavte Menschen ausgebeutet wurden. Die wirtschaftlichen Strukturen des Kolonialismus bildeten somit die Grundlage für Projekte wie Voghts Landschaftsgarten.
Der Jenischpark ist daher nicht nur ein Ort der Schönheit, sondern auch ein Ort, der uns an die globalen Verflechtungen und Widersprüche seiner Entstehungszeit erinnert.
Die Ornamented Farm – ein revolutionäres Gartenkonzept
Voght orientierte sich an einer damals modernen britischen Gestaltungsform: der Ornamented Farm. Sie verband landwirtschaftliche Nutzung mit einer ästhetisch komponierten Landschaft. Statt strenger Barockformen setzte er auf natürliche Linien, sanfte Übergänge und weite Sichtachsen.
Sein Park spiegelte die Ideale der Frühromantik und der Aufklärung wider:
• ein Ort der Ruhe und Besinnung,
• ein Ort des Fortschritts und der landwirtschaftlichen Experimente,
• ein Ort, an dem neue Pflanzenarten getestet wurden, die durch die europäische Expansion nach Hamburg gelangten – darunter sogar die damals noch ungewöhnliche Kartoffel.
Entlang der Elbe entstanden in dieser Zeit mehrere solcher Parks im englischen Stil. Sie waren Ausdruck von Wohlstand und Weltgewandtheit – und gleichzeitig Produkte einer Epoche, in der Natur in Europa idealisiert, in den kolonisierten Regionen jedoch rücksichtslos ausgebeutet wurde.
Ein kostspieliges Lebenswerk
Voght investierte enorme Summen in sein Mustergut – mindestens 250.000 Courantmark. Um diese Zahl greifbar zu machen: Eine Dienstmagd hätte um 1800 über tausend Jahre sparen müssen, ohne einen einzigen Pfennig auszugeben.
Trotz aller Erträge blieb das Gut ein finanziell anspruchsvolles Unterfangen. Wirtschaftliche Krisen und die französische Besatzung führten schließlich dazu, dass Voght das Gelände 1828 verkaufen musste.
Der Übergang zu Martin Johan Jenisch
Der neue Besitzer, Senator Martin Johan Jenisch, verfügte über ein beträchtliches Erbe und verwandelte das Areal in einen repräsentativen Landsitz. Er ließ das klassizistische Jenisch-Haus errichten – bis heute ein architektonisches Highlight – und gestaltete den Park nach neuesten englischen Gartenmoden um.
Nördlich des Hauses entstand ein Pleasure Ground mit Blumenbeeten, exotischen Bäumen und Gewächshäusern für tropische Pflanzen. Das Sammeln und Präsentieren außereuropäischer Pflanzen galt damals als Zeichen von Bildung und Weltläufigkeit.

Das Kaisertor – ein repräsentativer Eingang
Wer den Park von der Elbchaussee aus betritt, passiert das eindrucksvolle Kaisertor, das um 1906 errichtet wurde. Es markierte den repräsentativen Zugang zum Anwesen der Familie Jenisch und entstand im Zusammenhang mit der Erhebung Martin Rücker von Jenisch in den Adelsstand sowie anlässlich eines Besuchs von Kaiser Wilhelm II.
Das Tor ersetzte ältere, schlichtere Zugänge und symbolisiert den Wandel vom landwirtschaftlichen Mustergut zum herrschaftlichen Sommersitz. Das zugehörige Pförtnerhaus steht bis heute und verleiht dem Eingang seinen historischen Charme.

Die Eierhütte – ein Ort der Ruhe und Freundschaft
Mitten im Park, zwischen Wiese und Wald, steht die charmante Eierhütte – ein kleines Holzgebäude mit ovalen Fenstern, die ihr den volkstümlichen Namen gaben.
Sie ist ein Nachbau einer historischen „Mooshütte“, wie sie im 18. Jahrhundert typisch für englische Landschaftsgärten waren. Solche Hütten dienten als Rückzugsorte, als Orte der Stille und des Austauschs.
Über dem Eingang steht die Inschrift:
AMICIS ET QVIETI – Der Ruhe und den Freunden geweiht.
Diese Widmung verweist auf den Freundschaftskult der Aufklärung und die Idee, Natur als Ort der inneren Einkehr zu nutzen. Die Eierhütte ist bis heute einer der atmosphärischsten Plätze im gesamten Park.


Die Elbe als Bühne
Vom Jenisch-Haus aus öffnen sich Sichtachsen hinunter zur Elbe – bewusst angelegt, um den Fluss als Teil der Landschaft wirken zu lassen. Wer hier steht und die großen Schiffe vorbeiziehen sieht, erlebt einen Moment, der typisch hamburgisch ist: Natur, Weite und Welthandel in einem Bild.
Perfekt kombinierbar mit meinen Touren
Viele meiner Gäste entdecken den Jenischpark im Rahmen meiner Touren – und das passt hervorragend.
Elbe & Blankenese Tour
Eine entspannte Tour entlang der schönsten Elbabschnitte, vorbei an Villen, Parks und maritimen Orten. Der Jenischpark ist dabei ein idealer Zwischenstopp, um die Weite der Landschaft zu genießen und ein Stück Hamburger Geschichte zu erleben.
Elbhöhen E‑Bike Tour
Für alle, die die abwechslungsreiche Topografie rund um die Elbhänge aktiv erleben möchten. Mit dem E‑Bike geht es mühelos durch die Höhenzüge – und der Jenischpark gehört zu den eindrucksvollsten Stationen dieser Route.
Fazit
Der Jenischpark ist ein Ort, an dem sich Hamburgs Geschichte wie in einem offenen Buch lesen lässt: von globalem Handel über aufklärerische Ideale bis hin zu repräsentativer Gartenkunst.
Zwischen Kaisertor, Eierhütte, Jenisch-Haus und Elbblick entfaltet sich ein Stück Hamburg, das gleichermaßen schön wie vielschichtig ist.
Und wer Lust hat, diese Landschaft noch intensiver zu erleben, ist herzlich eingeladen, mich auf einer meiner Touren zu begleiten.












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